Einkünfteverzeichnis von 1553 gibt Einblick in Höfegeschichten

Ludger von Raesfeld (1526-1603), Erbe der Burg Hameren bei Billerbeck im Münsterland, heiratete 1540 Christina de Bever, die Tochter eines Burgmanns

auf der Landesburg Nienborg bei Ahaus, und übernahm mit der Heirat auch die Verwaltung der Güter seiner Schwiegermutter. Hierzu gehörten auch verschiedene Besitzungen und Einkünfte im Emsland. Hierüber führte er ein Rechnungsbuch, das im Archiv von Haus Hameren bis heute erhalten ist.
Dr. Peter Ilisch aus Münster, der zur Zeit in diesem Archiv arbeitet, hat dem Emslandmuseum mehrere Auszüge aus dem de Beverschen Einkünfteverzeichnis des Jahres 1553 zur Verfügung gestellt. Verzeichnet sind darin Einkünfte aus den damals noch münsterischen Teilen des Emslandes (z.B. aus Salzbergen, Emsbüren und Lohne, Groß- und Klein Hesepe sowie Sögel), aber auch Einkünfte aus der Grafschaft Lingen, z.B. vom Hof „Tymmer Berndt“ in Altenlingen, oder der Zehnt in „Munersem“ (= Mundersum).
In „Messyngk“ (= Messingen) besaß die Familie de Bever 1553 Einkünfte aus zwei Höfen, dem „Borchues“ (Hof Borg) und dem „Vorthues“ (Hof Vaerting).
Diese beiden Höfe Borg, gelegen nördlich des heutigen Dorfes am Herzesch, werden erstmals 1454 unter dem Namen „thor Borg to Messyngen“ erwähnt. Damals vergab Graf Nikolaus von Tecklenburg sie zusammen mit weiteren Gütern in Beesten und Plantlünne als Lingener Burgmannslehen an Gerlach von Bevern. 1525 und 1542 weitere Vertreter der Familie von Bevern als Inhaber des Lehens und damit als Besitzer der Höfe nachweisbar.
Um die beiden unmittelbar benachbarten Höfe thor Borg unterscheiden zu können, nannte man sie Langeborg und Korteborg (heute Scheffer-Borg).
Die „Beschrivinge“ der Grafschaft Lingen, ein landesherrliches Einkünfteverzeichnis von 1555, nennt die beiden Höfe „Borg Johann“ (= Langeborg), eigenhörig an Arent von Raesfeld, und „Borg Hermen“ (= Scheffer-Borg), eigen an Gerlich van Bevern, der wohl auf der Devesburg bei Rheine ansässig war.
Die 1553 verzeichneten Einkünfte aus dem „Borchues“ stammten also vom Hof „Borg Hermen“. Dieser Hof kam dann durch Erbschaft zunächst an das Haus Hameren und später an die Familie von Bevern auf der Devesborg. Um 1800 gehörte der Hof der Familie Meyer zu Rheine.
Der Hof lieferte 1553 zwei Mal im Jahr zwei Malter Roggen und einmal jährlich 2 Malter Hafer (nach Coesfelder Maß), ein fettes Schwein zu Martini, zwei Gulden Dienstgeld und zwei Hühner. (Malter war ein altes Hohlmaß für Getreide; ein Malter umfasste gut 100 Liter).

Das „Vorthues“ zahlte 1553 zweimal jährlich Hafer, einmal zwei Malter nach Lingener und einmal zwei Malter und zwei Scheffel nach Coesfelder Maß, ferner ein fettes Schwein zu Martini, zwei Gulden Dienstgeld und zwei Hühner.
Dieser Hof wird erstmals 1366 als Voorthuys“ erwähnt und gehörte damals dem Johann von Beesten, der in Messingen auch die Höfe Dres (= Dreising) und Volckerinck (= Völlering) besaß. In der „Beschrivinge“ 1555 ist der Hof unter „Fort Johan“ verzeichnet. Als Besitzer bzw. Grundherr wird dort der schon genannte Lueger (= Ludger) von Raesfeld angegeben. 1604 gehörte er „Raßfeldt Drost to Hammeren“. 1682 hatte der Hof „Voordt“ sich bereits freigekauft.

1707 hieß der Hof Vart und 1798 Vaerting. Es handelt sich also um den Hof Varting im Dorf, dessen stolzes Wohnhaus, erbaut im Jahre 1830, dort heute noch steht (Frerener Straße 11). 1913 verkaufte die Familie Vaerting, die Nachfahren des Fort Johan, ihren Hof in einzelnen Parzellen und zogen von Messingen fort. Sie nahmen ihren Namen also allzu wörtlich.
Die 1553 aufgeführten Abgaben und Zahlungen sind von besonderem Interesse, weil sie in der „Beschrivinge“ von 1555 nicht aufgeführt sind. Dort heißt es zu beiden Höfen lapidar: „gift sine Schulde und Pechte sinen Guitheren“ (gibt seine Abgaben und Pachten an seinen Grundherrn).
Gebraucht wurden die Einkünfte aus Messingen auf Haus Hameren nicht nur für die Unterhaltung von Haus und Küche, sondern auch für ein besonders Bauprojekt. Die Burg war nämlich 1543 unter den Erben in zwei Hälften aufgeteilt werden und diese Teilung mussten in den kommenden Jahrzehnten auf beiden Hälften der Burg baulich umgesetzt werden. Auf beiden Burgen wurden neue Wohnhäuser im Renaissancestil errichtet. Auf der westlichen Hälfte der Burg war dieses Wohnhaus laut einer Inschrift 1549 vollendet. Auf der östlichen Hälfte, wo bereits ein Wohnhaus stand, ließ man sich offenbar mehr Zeit und baute das Renaissanceschloss offenbar erst 1593. Es soll sich um ein prächtiges Bauwerk gehandelt haben, das leider schon im 18. Jahrhundert wieder abgebrochen wurde. Bildliche Darstellung davon sind nicht überliefert.
Quellen:
Maria Kottebernds: Messingen – Geschichte eines Dorfes. Messingen 1988.
Hans Taubken: Die Beschrivinge der Niedergrafschaft Lingen. Ein landesherrliches Einkünfteverzeichnis aus den Jahren 1555 bis 1592. Bielefeld 1999.