In der gemeinsamen Serie von EL-Kurier und Emslandmuseum zum Stadtjubiläum 1050 Jahre Lingen geht es dieses Mal um einen ganz besonderen Bodenfund aus dem Mittelalter: einen durchlöcherten Wassereimer vom früheren Burggelände.
Lingener Straßenverhältnisse waren der Obrigkeit ein Dorn im Auge
Der Lingener Marktplatz um 1860. Emslandmuseum Lingen
Friedrich dem Großen (1712–1786) stank es gewaltig, was er dort aus seinen Grafschaften Tecklenburg und Lingen hören musste – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dem jungen Monarchen, der seit 1740 auf dem preußischen Thron saß, war zu Ohren gekommen, dass in seinen Städten Tecklenburg, Lengerich, Westerkappeln, Lingen, Freren und Ibbenbüren die Straßen so große Löcher hätten, dass viele von ihnen gänzlich unbrauchbar und Durchfahrten zudem kaum möglich seien wegen der zahlreichen Misthaufen, die sich auf ihnen befänden. Diese Verhältnisse führten nach Meinung des Königs nicht nur „zum Despect der Stadt“, also zu ihrer Abwertung, sondern auch zu Unfallgefahren und Verkehrsproblemen. In einer geharnischten „Gaßen-Ordnung“ verfügte er daher am 18. April 1744 Maßnahmen, mit denen die vorgefundenen Missstände abzustellen seien.
Ausgrabung auf dem Lingener Marktplatz beim Bau der Tiefgarage 1978
Die Geschichtsserie von EL-Kurier und Emslandmuseum wirft aus Anlass von 1050 Jahre Lingen heute einen Blick in den Untergrund der Stadt. Denn immer wieder kommen bei Bauarbeiten in der Altstadt Fundstücke aus der Vergangenheit zum Vorschein.
Zu den wichtigen Zeugnissen der Lingener Geschichte, die der EL-Kurier und das Emslandmuseum im Jubiläumsjahr „1050 Jahre Lingen vorstellen“, gehört auch das älteste Gebäude der Stadt: der Pulverturm.
2025 begeht die Stadt Lingen das Jubiläum der Ersterwähnung ihres Namens vor 1050 Jahren. Im Jahr 975 erscheint „Liinga“ in einer Urkunde Kaiser Ottos II. Damals war der Ort allerdings noch keine Stadt, sondern eine ländlich geprägte Siedlung. Denn laut dem kaiserlichen Schriftstück ging es um einen Gutshof mit dazugehörigen Äckern, Wiesen und Wäldern, der den Namen trug. Aber seit wann ist Lingen eigentlich eine Stadt?
Wichtige Stationen der 1050jährigen Stadtgeschichte Lingens dokumentieren der EL-Kurier und das Emslandmuseum mit dieser Serie. Heute stellen wir einen besonderen Bodenfund von der mittelalterlichen Burg Lingen vor, der an die Grafen von Tecklenburg als Herrscher von Lingen erinnert.
Stehende Gewässer wurden früher vielfältig genutzt
Es liest sich fast wie eine heutige Umweltschutzmaßnahme, was dort im Jahr 1662 am 25. März verhandelt wurde. Doch ging es vielmehr um unterschiedliche Nutzungsinteressen, über die sich geeinigt werden musste.
Der Kaufvertrag von 1662 im Kopiar des KLosters Gravenhorst. Bild: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Manuscripte I, Nr. 97.
Lingen im Städtebuch von Merian aus dem Jahre 1647
Als der Zeichner Matthäus Merian im Jahr 1647 mit seiner „Topographia Westfaliae“ eine Beschreibung aller wichtigen Städte Nordwestdeutschlands in Text und Bild in Druck gab, durfte darin die Stadt Lingen natürlich nicht fehlen. So entstand die bekannte Stadtansicht, die auf der linken Seite die Burg und auf der rechten Seite die Stadt mit dem Rathaus und der heutigen Reformierten Kirche zeigt. Im Vordergrund hat Merian die Wassergräben und Erdwälle der Festungsanlagen dargestellt und in der Mitte das Burgtor.