Archiv der Kategorie: Kriegstagebuch 1945

Krieg und Kriegsende in der Lingener Hindenburgschule

Elisabeth Wempe, geb. Voges, erlebte die schweren Kämpfe zwischen Lingen und Laxten

Um die Hindenburgschule (heute Overbergschule) für feindliche Flugzeuge als Lazarett kenntlich zu machen, wurde auf dem Schulhof ein große Rotes-Kreuz-Zeichen markiert. Im Hintergrund die Josefs-Kirche in Laxten.

An der östlichen Peripherie der Stadt direkt an der Grenze zu Laxten entstand Anfang der 1930er-Jahre für die Schüler jenseits der Bahnlinie die Hindenburgschule (heute Overbergschule). Das große Schulgebäude hatte Betondecken, war voll unterkellert und besaß eine Turnhalle, die als Mehrzweckraum genutzt werden konnte. Kurzum: in Kriegszeiten ein idealer Standort für militärische Zwecke.

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Kriegsende im Lingener Krankenhaus

Paul Germer berichtet

Das Lingener Krankenhaus vor dem Zweiten Weltkrieg (Ansichtskartensammlung Emslandmuseum Lingen)

Paul Germer (1926-2019) will sich nach dem Kampf um die Brücke von Remagen als Schwerverletzter in seinen Heimatort Wietmarschen durchschlagen. Als er am Bahnhof in Lingen ankommt, ist der Weg dorthin durch die herannahende Front schon abgeschnitten. So beschließt er, sich in das Lingener Krankenhaus zu begeben.

Dort erlebt er aus unmittelbarer Nähe den Häuserkampf in der Lingener Innenstadt, die Einlieferung von immer mehr schwer verwundeten Soldaten in das von Strom und Wasser abgeschnittene Krankenhaus. Viele Sterben an ihren Verletzungen und durch den Beschuss, der auch am Bonifatius-Hospital nicht spurlos vorübergeht. Über seine Erlebnisse beim Kriegsende in Lingen berichtete Paul Germer im Jahr 1994 in einem Interview mit Dr. Andreas Eiynck:

Paul Germer im Jahr 2012 in seiner Baumschule in Füchtenfeld (Foto: Use-Magazin, Susanne Austrup)

„Ich war damals gerade 18 Jahre alt. Im März 1945 kam ich als Wehrpflichtiger zur Ausbildung nach Dänemark und wurde mit der „Kampfgruppe Dänemark“ Anfang März an den Brückenkopf von Remagen abkommandiert. Dort gerieten wir unter stärksten Artilleriebeschuss der Amerikaner und ich wurde durch einen Granatsplitter am Rücken verwundet. Trotz meiner Verwundung machte ich mich auf den Weg in mein Heimatlazarett.

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Flucht nach Altenlingen und Holthausen

Kämpfe in Lingen, Ehemann in Kriegsgefangenschaft

Die Lingenerin Käthe Niehüser heiratete 1943 den Soldaten Josef Contzen (1915-2011), der aus Krankheitsgründen vom Fronteinsatz freigestellt war. Sie fanden eine kleine Wohnung in der Masebergstraße. Im Herbst 1944 wurde Contzen jedoch zu einer Krankeneinheit an die Ostfront abkommandiert.

Seine Frau war mittlerweile schwanger und zog zu ihren Eltern an die Meppener Straße. Dort erlebt sie den Einmarsch der Engländer und die Evakuierung der Zivilbevölkerung nach Altenlingen und Holthausen. Bei der Rückkehr in das Elternhaus bot sich ein trauriges Bild, doch die Schwangere und ihr ungeborenes Kind blieben unversehrt.

Zum werdenden Vater war der Kontakt mittlerweile abgerissen, denn Josef Contzen war in russische Kriegsgefangenschaft geraten und galt als Vermisst. Erst 1946 konnte er ein Lebenszeichen nach Lingen senden und wurde zu Weihnachten 1947 in die Heimat entlassen.

Die Familie Contzen mit Tochter Maria wieder vereint 1948

Das Ehepaar Contzen ist mittlerweile verstorben, doch die 1945 geborene Tochter Maria hat den Nachlass ihrer Eltern bewahrt und kann über die damaligen Ereignisse noch Zeugnis geben. Ihre Mutter hielt ihre Kriegserinnerungen 1994 in einem Schreiben fest:

„Wir schrieben das Jahr 1944. An allen Fronten, besonders im Osten, wurde hart gekämpft. Mein Mann hatte, als Berufssoldat, lange das Glück, in der Schreibstube des Wehrbezirkskommandos beschäftigt zu sein. Ein chronisches Magenleiden trug dazu bei, nicht an der Front eingesetzt zu werden. Im Mai 1943 geheiratet, hatten wir

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Eine Familie flüchtet aus der Lingener Innenstadt

Fritz Linnemann erlebt als Siebenjähriger das Kriegsende

Bei der Rückkehr vom Hof Diekamp in Altenlingen sieht die Familie Linnemann die schweren Zerstörungen in der Innenstadt und den ausgebrannten Baublock zwischen Marktplatz und Burgstraße

Als Siebenjähriger erlebte der spätere Fahrrad- und Nähmaschinenmechaniker Fritz Linnemann (1938-2018) das Kriegsende in Lingen. Seine Familie wohnte in der Kivelingstraße in der Innenstadt. In der Nachbarschaft wohnte auch die Familie seines Onkels, der eine Autowerkstatt betrieb. Die Familie Linnemann flüchtete vor den Kampfhandlungen zum Bauern Diekamp in Altenlingen. Geschrieben hat Fritz Linnemann den Bericht 1952 für eine Schülerarbeit der Paul-Gerhard-Schule (ev. Volksschule) mit dem Titel „Aus der Geschichte Lingens“. Der Titel „Vor 7 Jahren“ ist angelehnt an eine gleichnamige Serie von Zeitungsartikeln mit Erinnerungen an das Kriegsende in Lingen, die im Frühjahr 1952 im Lingener Volksboten erschienen.

Das Haus und Geschäft der Familie Linnemann in der Kivelingstraße
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Der Kampf um die Friedhofsbrücke in Lingen

Jakob Jansen missglückte die Brückensprengung

Während die Sprenung der Friedhofsbrücke misslang, wurde die Kanalbrücke an der Lindenstraße von den Deutschen gesprengt. Wenige Tage später errichteten die Engländer hier eine Pontonbrücke

Jakob Jansen (1912-1980), der spätere Schmiedemeister und Bürgermeister von Lengerich, gehörte zu einer Pioniereinheit der Wehrmacht. Seit Ende 1944 befand er sich in einem Lazarettaufenthalt in Süddeutschland und erhielt dort beim Herannahen der Front Heimaturlaub zur weiteren Genesung. Als er in Lengerich ankam erhielt er jedoch den Befehl, sich sofort in der Lingener Kaserne zu melden. Dort übernahm er einen besonderen Auftrag. Darüber berichtete Jansen 1975 in einem Schreiben.

Jakob Jansen (1912-1980) erhielt 1945 den Befehl zur Sprengung der Friedhofsbrücke

„Vom 1. November 1944 bis zum 20. März 1945 lag ich wegen Ausheilung einer feuchten Rippenfellentzündung im Lazarett in Miltenberg am Main. Der Rückzug der deutschen Truppen vollzog sich an allen Fronten; in den Nächten hörte man den immer stärker werdenden Kanonendonner aus der Gegend von Karlsruhe-Landau. Alle Lazarettkranken, die gehfähig waren, wurden deswegen in andere Lazarette geschickt oder bekamen Genesungsurlaub. Ich erhielt Genesungsurlaub vom 20. März bis 11. April 1945 nach meinem Wohnort Lengerich, Kreis Lingen. Die Züge waren überfüllt, und ich konnte nur noch einen Platz auf einem offenen Güterwagen finden. Der Zug fuhr in Richtung Fulda. Da jedoch ein reger feindlicher Luftverkehr herrschte, stand der Zug tagsüber in einem Tunnel und fuhr erst in der Nacht weiter über Fulda, Kassel, Hannover nach Bremen. Von Bremen aus ging die Fahrt über Leer nach Lingen, und in den Abendstunden erreichte ich Lengerich.

Nach einer pflichtgemäßen Meldung beim Bürgermeister Gerhard Pape erfuhr ich, daß ein Befehl vorliege, wonach sich alle Wehrmachtsangehörigen, ob Kranke oder Urlauber, bei der Standortverwaltung in Lingen melden müßten.

In den Kasernen wimmelte es von Soldaten aller Waffengattungen, so daß beim stündlichen Antreten zur Feststellung der Truppenzugehörigkeit strenge Maßstäbe angelegt wurden. Soldaten ohne Papier wurden besonders genau überprüft, und meines Wissens tagte in den oberen Kasernenräumen ein Kriegsgericht. Es wurden aber keine Todesurteile ausgesprochen, sondern lediglich Arreststrafen verhängt. Soweit zu diesem Punkt meiner Erinnerung.

Inzwischen waren die alliierten Truppen, Engländer und Kanadier, in Bentheim. Da ich einer Pioniereinheit angehört hatte,

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Vierzehnjährige werden Eingezogen

Paul Heine erinnert sich an das Kriegsende 1945

Paul Heine aus Baccum wurde kurz von Kriegsende als Vierzehnjähriger eingezogen

Am 5. März 1945 hatten Staatssekretäre im Reichministerium in Berlin den Beschluss gefasst, die Angehörigen der Jahrgänge 1929 und 1930 aus den vom Feind bedrohten Gebieten zurückzuziehen. Die „Einberufung“ der noch nicht der Wehrerfassung unterliegenden Jugendlichen hatte die besondere Genehmigung des Führers erforderlich gemacht. Das deutsche Volk musste ja – wie Hitler es formulierte – „in der schwersten Zeit der deutschen Geschichte, wo es um Sein oder Nichtsein des ganzen Volkes geht, zu größten Opfern bereit sein“.

Die Jahrgänge 1928 und 1929 hatten bereits eine vormilitärische Ausbildung erhalten. Angehörige des Jahrgangs 1928 waren z.T. schon im Fronteinsatz. Als das Kampfgeschehen im März 1945 bedenklich näher rückte, wurden die Räume Schüttorf-Bentheim-Nordhorn-Lingen als vom Feind bedroht eingestuft. Die Auflösung der „Wehrertüchtigungslager“ wurde vorbereitet, ebenso die Zurückziehung des Jahrgangs 1930. Die Angehörigen der Jahrgänge 1928 und 1929 sollten dem Volkssturm angegliedert werden, zur Stärkung der Heimatfront.

Paul Heine berichtet als Zeitzeuge über das Kriegsende (Foto 2005)

Dienstag, den 27. März, war es dann soweit, dass die Angehörigen des Jahrgangs 1930 ihre Einberufungsbefehle erhielten. Im Einzugsbereich des Wehrertüchtigungslagers Baccum hatten sich die 14- bis 15jährigen Jungen am 29. März (Gründonnerstag) bei der Baccumer Schule einzufinden. Als Verwendungszweck wurde eine langfristige Schanzzeit (Stellungsbau) angegeben. Mitzubringen waren: Leibwäsche, derbe Kleidung und Schuhwerk, eine Decke und für drei Tage Verpflegung. In Baccum, Ramsel und Münnigbüren hatten acht Jugendliche Einberufungsbefehle erhalten, es erschienen jedoch nur fünf. Bei den Einberufungen anderer Gemeinden war es ähnlich.

Treffpunkt für die Eingezogenen war die Schule in Baccum

Als Angehöriger des Jahrgangs 1930 musste ich auch einrücken. Ich möchte deshalb zur Vervollständigung der Ereignisse jener Zeit meine Erlebnisse schildern: Von der Führung des inzwischen aufgelösten Wehrertüchtigungslagers begleitet, marschierte unsere Gruppe, es mögen etwa 70 bis 80 Jugendliche gewesen sein, noch am selben Abend nach Freren. Für die Übernachtung

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Johannes Muis beobachtet den Kampf um die Wachendorfer Brücke

Niederländischer Zwangsarbeiter als Zeitzeuge

Johannes Muis war zu Zeiten der deutschen Besatzung in den Niederlanden untergetaucht und hatte sich, wie viele Gleichgesinnte, im damals gerade trockengelegten Noordoostpolder unter den vielen dort tätigen Landarbeitern verborgen. Hier wurde er am 17. November 1944 bei einer Razzia in der Nähe von Vollenhove verhaftet und als Zwangsarbeiter nach Lingen verschleppt.

Muis kam nach Wachendorf und musste mit vielen hunderten weiteren Niederländern den Winter über am Bau der „Emsstellung“, einem System von Panzergräben westlich der Ems, arbeiten. Bei schlechtem Winterwetter kamen die Arbeiten nur langsam voran. Die Zwangsarbeiter wurden von ihren Bewachern schlecht behandelt, die waren Unterkünfte unzureichend und die Verpflegung miserabel.

Der Auszug aus dem nicht ohne Humor und Ironie verfassten Tagebuch beginnt mit dem 1. April – am Tag zuvor waren die meisten Niederländer aus Wachendorf abkommandiert worden. Muis ist nach der Auflösung des Lagers Wachendorf gleich zum Bauern Steffens gegangen und hat dort zum ersten Mal seit Monaten wieder in einem Bett geschlafen. Der Text wurde vom Emslandmuseum aus der niederländischen Originalfassung übertragen und leicht gekürzt.

Muis hatte sich mittlerweile mit dem Bauern Steffens angefreundet. Beim Herannahen der Front wurden die meisten holländischen Arbeiter Ende März nach Ostfriesland verlegt. Beim Abmarsch meldete Muis sich krank. Er und einige weitere Niederländer blieben nun als Landhelfer bei verschiedenen Bauern in Wachendorf, die zusätzliche Arbeitskräfte gut gebrauchen konnten.

In seinem Tagebuch schildert der Zeitzeuge, wie in diesen Tagen einige Nazis immer rabiater und brutaler wurden, andere aber schon versuchten, sich bei den Gefangenen anzubiedern. In Wachendorf erlebte Muis am 3. April die Eroberung der unzerstörten Emsbrücke durch die englischen Soldaten. Aus der Ferne konnte er auch die Kämpfe um Lingen beobachten, die der Stadt Tod und Zerstörung, ihm aber die Freiheit brachten.

Der Kampf um die Wachendorfer Brücke auf einem englischen Historienbild von 1989

Der Auszug aus dem nicht ohne Humor und Ironie verfassten Tagebuch beginnt mit dem 1. April – am Tag zuvor waren die meisten Niederländer aus Wachendorf abkommandiert worden. Muis ist nach der Auflösung des Lagers Wachendorf gleich zum Bauern Steffens gegangen und hat dort zum ersten Mal seit Monaten wieder in einem Bett geschlafen. Der Text wurde vom Emslandmuseum aus der niederländischen Originalfassung übertragen und leicht gekürzt.

„Sonntag, 1. April, 1. Ostertag

Freundliches, etwas feuchtes Wetter.

Herrlich geschlafen in einem echten Bett. Morgens die notwendigen Arbeiten verrichtet und danach durch das Weideland spaziert, um Kibitzeier zu suchen.

Seit heute Mittag ist reger Verkehr auf der Straße, viele durchziehende Truppenteile, die von unserer früheren Lagerunterkunft Gebrauch machen.

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Niederländische Zwangsarbeiter in Bernte und Elbergen

P. den Besten schreibt an seine Verwandten in der Heimat

Nach der Landung in der Normandie (6.6.1944) wurde bald klar, dass die Invasion der Alliierten nicht mehr zu stoppen war und sie unaufhaltsam auf Deutschland vorrückten.

Zur deutschen Durchhaltepropaganda gehörte der Bau der „Emsstellung“ im Herbst 1944. Dies war ein weitläufiges System von „Panzerabwehrgräben“, mit denen man die Alliierten schon westlich der Ems im Raum Elbergen-Lohne aufhalten wollte.

Da Baumaschinen nicht zur Verfügung standen, mussten tausende von Dienstverpflichteten (Rentner, Frauen, Hitlerjugend usw.) die Gräben mit der Schaufel per Muskelkraft ausheben. So konnte man Aktionismus verbreiten und den Durchhaltewillen stärken.

Als die deutschen Arbeitskräfte nicht reichten, wurden tausende niederländische Zwangsarbeiter eingesetzt, die man im November 1944 bei großen Razzien verhaftet und nach Lingen verschleppt hatte. Sie arbeiteten den ganzen Winter hindurch bis in den März 1945 an den Stellungen und wurden beim Näherrücken der Front nach Norddeutschland verlegt.

Aufgrund baulicher Mängel und fehlender Bewaffnung erwies sich die Emsstellung als völlig unbrauchbar. Sie wurden von der Wehrmacht nie genutzt und von den englischen Panzern bei ihrem Vormarsch noch nicht einmal bemerkt.

Von einem Niederländer in Lingen erhielt das Emslandmuseum die hier dargestellte Postkarte, die P. den Besten Anfang Dezember 1944 an seine Verwandten im niederländischen Kampen schickte. Viele der Zwangsarbeiter beim Bau der Emsstellung stammten aus Kampen und Umgebung.

Der Text wurde aus dem niederländischen Original ins Deutsche übertragen:

Absender
P. den Besten
R.K. Volksschule
Bernte
Kreis Lingen-Ems
Deutschland


Fam. J.F. den Besten
Wiik I-282
Ijsselmuiden
Post Kampen

Bernte, 2/12 - 44

Liebe Eltern,

hier seit einigen Tagen eingelebt, aber noch keine Gelegenheit gehabt zu schreiben. Bernte ist ein Bauerndorf von meiner Schätzung nach rund acht Bauernhöfen. Wim habe ich vergangene Woche Donnerstag Morgen in Lingen gesprochen. Er arbeitet in den Zelten des Lagers. In Lingen hat der Lagerführer von der O.T. [= Organisation Todt] mir auch eine Stellung als Schreiber angeboten, aber ich geh lieber mit den Kameraden in der Gruppe zum arbeiten. Wim wird wohl immer noch in Lingen sitzen. Ich kann nicht zu ihm hin, denn wir dürfen nicht ohne Bewachung weggehen.
Von Rennie weiß ich nichts. Ich hoffe, dass Ihr wohl wisst, wo er steckt.
Das Essen, das wir hier bekommen, ist gut. Den zweiten Tag als wir hier waren hatten wir Huhn und Hasenwild, die überigen Tage Suppe und Fleisch mit Erbsen. Auch bekommen wir abend immer einen Brei, der auch sehr gut ist.
Zu Hause ist, wie ich hoffe, alles noch gut, nicht? Jassie und Gesje werden uns wohl vermissen, aber vielleicht dürfen wir ja bald wieder nach Hause.
Da ich keinen Platz mehr habe, muss ich aufhören.

Herzlichen Gruß und auf baldiges Wiedersehen


P. den Besten.

Dass den Besten hier das gute Essen lobt, ist offenbar der Zensur der Postkarten durch die deutschen Ausseher geschuldet. Johannes Muis schreibt in seinem Bericht aus Wachendorf über die sehr unzureichende Verpflegung, nicht nur für die Zwangsarbeiter, sondern auch für die dort ebenfalls zwangsverpflichteten Volkssturmmänner.